Single Step

07
Apr
2021

Neue Wege in der Zuchtwertschätzung

Infos zur Umstellung auf das Single-Step-Verfahren bei Fleckvieh und Brown Swiss

23-07-2014 Panorama See braunvieh-fleckvieh horizontal ©

Nach der Einführung der genomischen Selektion im Jahr 2011 folgt bei den Rassen Fleckvieh und Brown Swiss mit der April-Zuchtwertschätzung 2021 der nächste große Schritt: die Umstellung vom Two-Step- auf das Single-Step-Verfahren. Im Folgenden möchten wir Ihnen kurz die wichtigsten Hintergründe und Infos dazu erläutern.

Was bedeutet Single-Step?

Bisher wurden die Zuchtwerte aller weiblichen und männlichen Tiere in einem zweistufigen Verfahren berechnet: im ersten Schritt wurden konventionelle Zuchtwerte anhand der Leistungs- und Pedigreeinformationen berechnet. Im zweiten Schritt wurden diese dann mit den Informationen aus der Genotypisierung des Tieres kombiniert und genomische Zuchtwerte berechnet. In der Single-Step-Zuchtwertschätzung werden nun für alle Tiere genomisch optimierte Zuchtwerte in einem Schritt geschätzt („single step“) und es gibt keine konventionellen und genomisch direkten Zuchtwerte mehr. Leistungs-, Abstammungs- und Genominformationen werden dabei in einem ZWS-Lauf gleichzeitig berücksichtigt.

Warum erfolgt die Umstellung auf Single-Step?

Der Grund für die Umstellung ist, dass das Single-Step-Verfahren nach dem neuesten Stand der Wissenschaft eine noch genauere Vorhersage der Zuchtwerte liefert und somit zu höheren Sicherheiten führt.

Ein wesentlicher Vorteil der Umstellung auf Single-Step ist die Einbeziehung der genomischen Information genotypisierter weiblicher Tiere. In Deutschland und Österreich stehen in den letzten Jahren immer mehr Genotypen weiblicher Tiere zur Verfügung, die nun auch in die Zuchtwertschätzung einfließen (ca. 250.000 bei Fleckvieh, 50.000 bei Brown Swiss). Die Lernstichprobe bilden nun nicht mehr nur geprüfte Altbullen, sondern auch alle typisierten Kühe mit Leistungen.

Ein weiterer großer Vorteil des neuen Verfahrens ist, dass nun auch für direkte Gesundheitsmerkmale mit geringer Heritabilität wie frühe Fruchtbarkeitsstörungen und Zysten Zuchtwerte mit höheren Sicherheiten berechnet werden können.

Bei der Rasse Brown Swiss werden außerdem ab sofort die Informationen ausländischer Töchter aus MACE berücksichtigt.

Welche Folgen hat die Umstellung auf Single-Step?

Wie bereits erwähnt, werden mit der April-ZWS die Sicherheiten vieler Einzelzuchtwerte deutlich steigen. Das Hinzuziehen der weiblichen Genotypen wird aber auch deutliche Änderungen der Zuchtwerte von Einzeltieren zur Folge haben. Positiv zu sehen ist die deutlich bessere Differenzierung von Halbgeschwistergruppen. Lagen bisher die Söhne von Topvererbern oft sehr nahe beieinander, wird jetzt eine deutlichere Differenzierung durch die Berücksichtigung der Kuhfamilie in der ZWS gewährleistet.

Fazit

Durch die Umstellung auf das Single-Step-Verfahren wird die Qualität der Zuchtwerte weiter steigen. Sowohl in der Rangierung der Bullen als auch bei den Zuchtwerten von Einzeltieren kommt es mit der April-ZWS teilweise zu starken Änderungen. Lassen Sie sich davon nicht irritieren, denn wichtig ist: die Berechnung der Zuchtwerte ändert sich, die Interpretation der Einzelmerkmale bleibt aber die gleiche! Das heißt konkret, dass der Bullenkatalog nach wie vor genauso wie vor Single-Step gelesen und interpretiert wird.

Außerdem sollte im Hinterkopf behalten werden, dass die Rangierung der Bullen nach Gesamtzuchtwert nur eine erste Übersicht darstellt. Um den optimalen Betriebserfolg zu erzielen, sollten Sie immer auch auf die einzelnen Zuchtwerte in den Merkmalen achten, die Ihnen besonders wichtig sind. Bei der Auswahl der passenden Bullen für Ihre individuellen Anforderungen sind wir jederzeit gern behilflich.

Falls Sie noch Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung!

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